Was bedeutet Resilienz?
Resilienz im kommunalen Kontext
Um Resilienz im kommunalen Zusammenhang verstehen zu können, ist zunächst eine nähere Betrachtung des Begriffes von Nöten. Der Begriff der Resilienz hat in den letzten Jahren in verschiedenen Disziplinen immer mehr an Bedeutung gewonnen. Er leitet sich vom lateinischen resilire ab und bedeutet „zurückspringen“ oder „abprallen“. Diese Eigenschaft ist, je nach Kontext, in der Psychologie, Physik, Soziologie, Medizin oder Ökologie relevant und ist inzwischen ein eigenes interdisziplinäres Forschungsfeld. Durch die unklare Begriffsbezeichnung und den unterschiedlichen Anwendungsbereichen existiert inzwischen eine Vielzahl unterschiedlicher Definitionen außerhalb und innerhalb wissenschaftlicher Disziplinen. Duchek bezeichnet „Resilienz [als] die Fähigkeit einer Organisation, potenzielle Bedrohungen zu antizipieren, effektiv mit kritischen Ereignissen umzugehen und aus ihnen zu lernen, um gestärkt daraus hervorzugehen“ (Duchek, zitiert nach Resilienz Akademie, 2021), wobei die Art der Krise keine Rolle spielt. Krisen können durch Krankheiten (COVID-19), Cyber-Kriminalität oder auch Terrorismus sowie Natur- und Extremwetterereignisse ausgelöst werden. Insbesondere kritische Infrastrukturen (KRITIS), Logistikketten sowie Energiesysteme und nicht zuletzt öffentliche Einrichtungen und Behörden können betroffen sein. Weiter gelten bestimmte Personengruppen, je nach Schadenslage, als besonders vulnerabel. Um resilient (anpassungsfähig) zu sein, braucht es statische Sicherheitskonzepte und einen umfassenden Denkrahmen, angepasst an den jeweiligen Bereich (öffentliche Verwaltung, BOS, Politik, Wirtschaft usw.) (Streibich, 2020).
Man unterscheidet drei Strategien resilienzbedingten Verhaltens: den Bounce Back, die Adaption und die Adaptability. Unter Bounce Back wird die Wiederherstellung des Zustands vor der akuten Krise verstanden, während die Adaption interne Strukturen, die bedroht sind, verändert. Die Adaptability stellt die umfangreichste Strategie dar. Hier steht die Schaffung eines konstanten Zustandes der Anpassungsfähigkeit im Fokus, somit handelt es sich um ein lernendes System, unabhängig von Bedrohungen. Wie bereits erwähnt, sind neben den verschiedenen Disziplinen auch die Dimensionen innerhalb von Resilienz vielseitig. Im Bereich der Raum- und Stadtentwicklung können so ökologische, ökonomische, soziodemografische, technologische und organisatorische Resilienz unterschieden werden. Resilienz beschränkt sich also nicht nur auf eine konkrete Maßnahme, sondern involviert ein Netzwerk an Akteur:innen oder Bereichen einer Stadt bzw. Kommune. Die Dynamik der Außenwelt generiert gewisse Einflussfaktoren, die unerwartet eintreten oder neue Möglichkeiten aufzeigen, auf Ereignisse zu reagieren. Es wird von der Reaktionsfähigkeit oder Lernfähigkeit eines Systems gesprochen. So stellt beispielsweise eine Naturkatastrophe wie ein Erdrutsch einen äußeren Einflussfaktor dar, der dazu führen kann, dass das Potenzial, Smartphones dabei als lebensrettendes Multitool einzusetzen, erkannt wird. Der konstante Zustand eines anpassungsfähigen Systems ist daher auch nie mit einem klaren Endergebnis abgeschlossen, um das System vor einem möglichen Kollaps zu schützen. Hierbei wird von einem Resilienzzyklus in vier übergeordneten Phasen gesprochen:
- die Bewertung der momentanen Situation,
- die Anpassung und Erhöhung der Robustheit des Systems,
- das Management und die Bewältigung der Krise und
- die anschließende Schadensbeseitigung, Restrukturierung und Neuorganisation. Damit beginnt der Zyklus erneut (RuLe, 2020).
Ein anschauliches Beispiel bietet das Land Sachsen nach dem Jahrhundertwasser von 2002, als die Elbe in großem Ausmaß über die Ufer trat und große Schäden verursachte – mindestens 21 Menschen verloren in diesem Zusammenhang ihr Leben. Allein Dresden beziffert die Höhe der Schäden auf über eine Milliarde Euro (Stadt Dresden, 2021), nachdem die Elbe mit einem Rekordwasserstand von 940 cm die Innenstadt größtenteils überflutet hatte. Investitionen von mehreren hundert Millionen Euro wurden in den folgenden Jahren in Hochwasservorsorge umgesetzt. Im Jahr 2013 überstieg das Elbwasser erneut deutlich die 8 m-Marke (878 cm). Die Schadenshöhe beziffert das Land Sachsen im Folgenden mit 300 Millionen Euro zwar immer noch sehr hoch, aber insgesamt deutlich niedriger als im Jahr 2002 (Sächsisches Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft, 2013).
Essenziell für geplante Anpassungen ist, wie im Zyklus beschrieben, die Bewertung der momentanen Situation, einhergehend mit einer umfassenden Datenlage. Häufig sind viele wichtige Daten bereits in den Verwaltungen vorhanden und könnten genutzt werden.
Die Handlungsmöglichkeiten zur Resilienz lassen sich vier Feldern zuordnen:
Prävention
In der Präventionsphase geht es vor allem darum die kommunalen Institutionen resilienter zu gestalten und Risiken einzuschätzen. Veränderungen müssen schnell wahrgenommen, eingeordnet und an die Bevölkerung kommuniziert werden. In dieser Phase gilt es auch Strategien des Risiko- und Krisenmanagements und der Risiko- und Krisenkommunikation zu prüfen und zu auszubauen. Darüber hinaus fällt die Sicherstellung finanzieller und personeller Ressourcen der Risiko- und Krisenkommunikation in diese Phase.
Vorbereitung
In der Vorbereitungsphase werden Investitionen in die Vorsorge eines Kriseneintritts getätigt. Der Fokus verschiebt sich mehr auf die Reduktion der Risiken und der Einschätzung von Restrisiken. Die Notfallplanung sowie Strukturen werden in dieser Phase angepasst und Kommunikationskanäle mit der Bevölkerung gepflegt, um reibungslose Abläufe zu gewährleisten.
Bewältigung
In der Bewältigungsphase liegt der Fokus auf einer wirksamen Reaktion. Gut ausgebildetes Personal und ausgestattete Einrichtungen sind in dieser Phase Voraussetzung. Besonders wichtig sind schnelle Alarmierungswege und das Befolgen eines Kommunikationsplans.
Nachbereitung
In der Nachbereitungsphase dreht sich alles um die Evaluation und die Verbesserung der Vorbereitungen. Hier sollen vor allem die Schäden erfasst und aus den Ereignissen gelernt werden, in Bezug auf die Risiko- und Krisenkommunikation sollen auch hier Schwachstellen identifiziert und Strukturen sowie Pläne für die Zukunft verbessert werden. (BKI, 2022)